Themenworkshop III

Herausforderung Schulabsentismus (Definition, Daten und Prävention)

Art:

Ort:
Keine Präsenzveranstaltung!
Digitales Format
via Cisco Webex, Online
Datum:
Mittwoch, 18. August 2021 (ganztägig)
Ausgangslage in den Bundesländern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern  
Nicht erst seit Homeschooling und der erschwerten Erreichbarkeit von Kindern und Jugendlichen ist Schulabsentismus ein Thema, das Schulen und Kommunen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt. Gleichwohl hat es durch die vergangenen 1,5 Jahre zusätzlich an Bedeutung gewonnen. 
 
Dabei ist die Ausgangslage in beiden Bundesländern durchaus unterschiedlich: In Mecklenburg-Vorpommern findet seit 2017 ein landesweit gültiger Handlungsleitfaden Anwendung, in dem Handlungsschritte und Verantwortlichkeiten für Schulen, Verwaltung und Behörden beschrieben sind. Anhand eines 7-Phasen-Modells von Schulverdrossenheit bis Intensivschwänzen erkennen Fachkräfte, nach wie vielen Fehltagen der Schüler:innen sie welche Schritte einleiten können oder müssen. Ergänzt wird der Handlungsleitfaden durch Musterschreiben. In Schleswig-Holstein ist ein solches Konzept gegen Schulabsentismus derzeit in Arbeit und soll bis Ende des Jahres verabschiedet werden. Bis dahin liegt es in der Verantwortung der Kreise und kreisfreien Städte, entsprechende Konzepte und Maßnahmen zu entwickeln.  
 
Schulabsentismus – Ein mehrdimensionales Phänomen
Dass Schulabsentismus ein mehrdimensionales und multikausales Phänomen ist, vertritt die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Sandra Seeliger. Risikofaktoren für Schulabsentismus können ihren Ursprung im familiären oder schulischen Umfeld haben, durch Peerkontakte bestärkt werden oder auf der persönlichen Ebene liegen. Auffällig sei, dass Abwesenheiten in der Grundschule von Eltern oft als wenig gravierend wahrgenommen werden. Dabei spiele die Unterscheidung zwischen entschuldigten und unentschuldigten Fehltagen nur eine untergeordnete Rolle, da Kinder und Jugendliche in beiden Fällen sowohl den sozialen Anschluss an die Klassengemeinschaft als auch den fachlichen Anschluss an die Lerninhalte verlieren würden. 
 
Unabhängig davon, ob es sich um Schulschwänzen, elterliches Zurückhalten oder Schulverweigerung handelt, waren sich die Anwesenden einig, dass restriktive Maßnahmen wie Bußgeld und Suspendierung oder polizeiliche Eskorten allein keinen Beitrag dazu leisten, dass Schülerinnen und Schüler wieder regelmäßig in die Schule gehen. Vielmehr sind hier pädagogische Maßnahmen gefordert, bei denen alle Beteiligten gemeinsam nach einer Lösung suchen und die Kinder und Jugendlichen in ihrer Resilienz gestärkt werden. Um dies leisten zu können, wird die Bedeutung des pädagogischen Personals in den Schulen mehrfach hervorgehoben. Lehrkräfte brauchen Weiterbildungen, um im Umgang mit Schulabsentismus und möglichen Warnzeichen handlungssicher agieren zu können. Gleichzeitig benötigen sie die Zusammenarbeit mit und Entlastung durch multiprofessionelle Teams an Schulen, da sie die notwendige enge Begleitung der Schülerinnen und Schüler nicht allein leisten können.  
 
Als Praxisbeispiele werden verschiedenen niedersächsische Koordinierungsstellen genannt (s. Linkliste).  
 
Die Herausforderung der Datenverfügbarkeit 
Wünschenswert aus Sicht der anwesenden Kommunen wäre ein tragbares Datenfundament, um solche Maßnahmen entwickeln und umsetzen zu können. Bisher gestaltet sich die Datenverfügbarkeit aber in den meisten Fällen als Herausforderung, sowohl für Kommunen als auch für die Wissenschaft. Dies führt zu einem Dilemma: Ohne Datenbasis ist es schwer, dem Thema die notwendige Aufmerksamkeit zu verschaffen und die erforderlichen Personen zur Zusammenarbeit an einen Tisch zu bekommen. Gleichzeitig ist die Zusammenstellung der erforderlichen Daten ohne eine vertraute Zusammenarbeit zwischen den Akteur:innen kaum möglich. Schlüsselpersonen sind die Schulrät:innen, da sie sich zwischen den Schulen und der Verwaltung befinden. Ist es nicht möglich, auf kommunaler Ebene an die Daten zu gelangen, können ggf. Anfragen aus der Politik weiterhelfen. 
 
Neben Datenschutz sind insbesondere die Angst vor Stigmatisierung und drohender Imageverlust von Schulen und Wohngegenden mögliche Gründe für die Scheu, sich dem Thema Schulabsentismus zu widmen. Ein Vorschlag, dieses Spannungsverhältnis aus Stigmatisierung und der Entwicklung von Handlungsansätzen zu lösen, ist der verwaltungsinterne Umgang mit Daten und diese nicht in Bildungsberichten o.Ä. zu veröffentlichen. Dass manche Länder dies anders handhaben, zeigt ein Beispiel aus Thüringen (s. Linkliste). 
 
Fazit 
Abschließend werden die Herausforderungen für die Kommunen im Bereich Schulabsentismus aus dem Teilnehmendenkreis prägnant zusammengefasst: „Die große Herausforderung ist es, über das Phänomen Schulabsentismus nicht nur hinter vorgehaltener Hand zu reden, sondern zu ergründen, welche Handlungsoptionen sich konkret ergeben. Dazu müssen belastbare Daten erhoben, Fortbildungen für Lehrkräfte angeboten und insgesamt eine Vernetzung der relevanten Stellen im Phänomenbereich Schulabsentismus erreicht werden.“ 
 
Weiterführende Informationen:
 
Praxisbeispiele:

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