Fortbildung Bildungsmonitoring

Modul I - Aufbereitung und Visualisierung von Daten

Art:

Ort:
Onlineveranstaltung
Cisco Webex
modular aufgebautes Format
Datum:
Montag, 22. November 2021 - 9:00 bis 14:00

Immer mehr Kreise und kreisfreie Städte sehen sich mit der Herausforderung konfrontiert, eine zeitgemäße Bildungsberichterstattung zu entwickeln. Kommunen, die kein ausgewiesenes Personal für Bildungsmanagement bzw. Bildungsmonitoring haben, müssen genau überlegen: Wie gelingt es uns, Bildungsdaten ressourcenschonend zu erfassen und so zu präsentieren, dass wir unsere Zielgruppe(n) erreichen? Aber auch in Kommunen, die über ausreichend finanzielle und personelle Ressourcen für die Bildungsplanung verfügen, wird hinterfragt, inwieweit ein „klassischer“ umfangreicher Bildungsbericht den Anforderungen einer digitalisierten Welt, einer zielgruppenspezifischen Ansprache noch gerecht wird. In diesem Zusammenhang ist gleichzeitig nicht zu unterschätzen, welchen Beitrag die Aufbereitung und Visualisierung von Daten für eine anschauliche und niedrigschwellige Vermittlung leisten.

Datenaufbereitung
Im ersten Teil des Workshops stellt Katharina Giar vom Konsortium Bildungsmonitoring die elementaren Grundlagen klassischer Bildungsberichterstattung vor, die der datenbasierten und langfristigen Erfassung von Bildungsvoraussetzungen, -wegen und -ergebnissen dient. Sie betont, dass zeitgemäße Bildungsberichterstattung vor allem nutzerfreundlich ist (damit sie nicht zum Selbstzweck geschieht). Wichtig ist im Vorfeld zu klären, welches Ziel mit dem Bildungsbericht verfolgt wird: Welches Problem bzw. welche Erkenntnis steht im Fokus? Eine Bildungsberichterstattung, die auf einer kontinuierlich gesicherten Datenbasis fußt, gibt einen vollständigen und systematischen Überblick über die kommunale Bildungslandschaft und zeigt Entwicklungen im Zeitverlauf auf. Sie kann auch eine ressortübergreifende Kooperation befördern und zu einem nachhaltigen Arbeitsprozess beitragen. Wenn die Bildungsberichterstattung durch einen politischen Auftrag legitimiert und langfristig ermöglicht wird, stellt sie ein Steuerungsinstrument im Bildungssystem dar und macht bildungspolitische Entscheidungen transparent. 
 
Nicole Saks, ebenfalls Mitglied im Konsortium Bildungsmonitoring, ermuntert die Teilnehmenden des Workshops dazu, alternative Berichtsmethoden kennenzulernen und kritisch zu reflektieren. Als kostengünstige und wenig zeitaufwändige Formate bewirbt sie die Pressemitteilung und den Newsletter. Möchte man die Ursachen von aktuellen Problemlagen und Wirkungszusammenhängen ermitteln, bietet sich wiederum eine Thematische Analyse an (Bsp. Stadt Hagen und Stadt Fürth). Erhöhten Kosten- und Zeitaufwand sollte man bei der Erstellung von Dashboards einkalkulieren, die dafür allerdings alle zentralen Informationen auf einen Blick bereithalten und die Datenbasis attraktiv und aussagekräftig visualisieren (Bsp. Statistisches Bundesamt und Bundesagentur für Arbeit). Besonders das „Scrollytelling“, eine webbasierte Variante digitaler Magazine, stößt bei den Teilnehmenden auf großen Anklang, wobei Nicole Saks auch hier den erhöhten Ressourceneinsatz zu bedenken gibt. Darüber hinaus dürfen interaktive Kartendarstellungen (wie z. B. der Bildungsatlas Hamburg oder Oberhausen) in ihrem Kompendium der Alternativen nicht fehlen – eine Variante, die die räumliche Verteilung und Erreichbarkeit von Bildungsangeboten veranschaulicht. Hierfür ist allerdings eine Software-Nutzung erforderlich.
 
Aus dem Plenum wird nach Voraussetzungen für halbautomatisierte Dashboards gefragt: Was ist in kurzer Zeit realistisch zu entwickeln? Gibt es pauschale Formulierungen für Fallzahlen? Die Referierenden verweisen darauf, dass das Statistische Bundesamt (Destatis) die Statistical Analysis Software (SAS) nutzt, Dashboards z. T. aber auch mit Excel umzusetzen sind.
 

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Exkurs zu leseorientiertem Schreiben über Statistik
Zeitgemäße Bildungsberichterstattung sollte vor allem eines sein: nutzerfreundlich. Damit die entsprechende Botschaft bei der Kommunikation mit und über Bildungsdaten auch ankommt, ist es wichtig, sich an den jeweiligen Adressat:innen zu orientieren. Daniel O'Donnell, Referatsleiter Internationales bei Destatis, erläutert in einem Exkurs die „Do's & Don'ts“ des Schreibens über Statistiken. Grundsätzlich gilt: Ganz ohne Text geht es nicht. Für gewöhnlich stehen Tabelle oder Bild nicht für sich allein, sondern werden von einem Text gerahmt. Je mehr Informationen und Inhalte die Grafiken liefern, desto eher ist der Betrachtende auf einen einordnenden Begleittext angewiesen. 
 
Um „nackte Zahlen“ möglichst eindeutig sprechen zu lassen, ist es ratsam, einige Grundprinzipien zu beachten. Ein „guter“, also verständlicher Text braucht Struktur, eine aktive und konkrete Sprache sowie einen klaren Satzbau. Daniel O’Donnell empfiehlt den Teilnehmenden, die verwendeten Daten in den Kontext zu setzen, Muster oder Trends hervorzuheben sowie auf Methodik und Datenquellen hinzuweisen. Aus eigener Praxis weiß er, wie wichtig ein „critical friend“ in der Korrekturschleife ist. Auch die Maxime „Weniger ist mehr“ hilft dabei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Unnötiges zu streichen. Im Gegenzug rät Daniel O'Donnell von „elevator statistics“ ab – also davon, Grafiken und Tabellen im Text detailliert zu beschreiben: „XY ist erst gestiegen, dann gesunken und dann wieder gestiegen ...“
 
Aus dem Kreis der Teilnehmenden wird von der externen Erwartungshaltung berichtet, die Daten nicht nur deskriptiv darzustellen, sondern auch zu interpretieren. Auch Daniel O'Donnell kennt den Spagat zwischen der Beschreibung und der Interpretation von Daten und spricht sich für einen sensiblen Umgang damit aus. Als konkrete Beispiele für den interpretatorischen Spielraum nennt er zum einen das Brexit-Monitoring des Statistischen Bundesamtes, bei dem ein möglichst objektives Bild gezeichnet werden und Interpretationen vermieden werden sollten. Aller Mühen zum Trotz waren interpretatorische Tendenzen sichtbar. Zum anderen führt er die Mehrwertsteuersenkung im Pandemiejahr 2020 und den damit verbundenen Basiseffekt an, wodurch das Vergleichsjahr auf ein niedrigeres Niveau als gewöhnlich fällt. Eine solche Interpretation muss zur richtigen Deutung der Statistik unbedingt mitgeliefert werden. Grundsätzlich empfiehlt er, bei Unsicherheit den Rat von Kolleg:innen einzuholen sowie Interpretationen an den entsprechenden Stellen transparent zu machen.
 

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Datenvisualisierung
Was ist bei der Erstellung von Grafiken zu beachten bzw. zu vermeiden? Was macht eine gute Grafik aus? Wie kann man Daten möglichst barrierearm visualisieren? Diesen Fragen spürt Daniel O'Donnell in seinem Input zu Datenvisualisierung nach. „Wir Menschen können Aussagen leichter erfassen, wenn sie auf einen Blick erkennbar sind. Im Zweifelsfall also lieber eine Grafik als eine Zahlentabelle wählen.“ Daniel O'Donnell benennt sowohl die Chancen als auch die Risiken der interaktiven Datenvisualisierung und stellt Grundregeln vor, die bei der Erstellung von Grafiken zu beachten sind. 
 
Wichtig ist ihm, die Teilnehmenden für folgende Fragen zu sensibilisieren: Was ist die Kernaussage und wie setze ich diese visuell am besten um? Welche Grafik passt zu meinen Daten und meiner Botschaft? Generell warnt Daniel O'Donnell davor, Grafiken zu überfrachten und die Betrachtenden durch diverse Inhalte, viele Farben oder auch 3D-Darstellungen zu überfordern. Er selbst versucht, sich bei der Visualisierung von Daten immer an der Zielgruppe und deren Wissensstand zu orientieren. Daniel O'Donnell führt an, dass eine bewusste Auswahl von Daten und Skalenpunkten für die Visualisierung grundsätzlich erlaubt, in machen Fällen sogar notwendig sind: Bei der Darstellung der menschlichen Körpertemperatur (im Verlauf) kann man z. B. getrost auf die Angabe des Nullpunktes verzichten. 
 
Übungen zur Reflexion der „Do's & Don'ts“ der Grafikerstellung finden Sie in der in Kürze unten verlinkten Präsentation.
 

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